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Das Schwule Überfalltelefon

Gewalt gegen Schwule
Gewalt gegen schwule Männer ist ein alltägliches Problem. Fast jeder Schwule hat schon selbst antischwule Gewalt erfahren oder kennt jemanden, der Opfer geworden ist. Die Gewalt gegen Schwule ist vielfältig. Beleidigung, Bedrohung, Erpressung, Raub und Körperverletzung bis hin zum Mord sind ihre Erscheinungsformen.

Die Täter nutzen dabei den Umstand aus, dass schwule Gewaltopfer nur selten Anzeige bei der Polizei erstatten. Deshalb ist das Risiko, entdeckt zu werden, für die Täter minimal. Dies geringe Entdeckungsrisiko, sowie bereits erfolgreich durchgeführte Übergriffe ermutigen die Täter immer wieder, sich schwule Männer als leichte Opfer zu suchen.

Das wollen wir ändern!
Der LSVD und seine örtlichen Mitgliedsgruppen unterhalten in einer Reihe von Städten schwule Überfalltelefone. Unter der vom LSVD eingerichteten bundeseinheitlichen Rufnummer 19228 erhalten Opfer von Gewalt Informationen, Hilfestellung und Unterstützung.

Bei den Schwulen Überfalltelefonen wird - wie bei den Rosa Telefonen - zuallererst das Gespräch angeboten, außerdem begleiten wir die Opfer und Zeugen von Übergriffen auf deren Wunsch zur Polizei, zur Staatsanwaltschaft und zum Gericht, wenn sie Anzeige erstatten oder Aussagen machen möchten.

Gleichzeitig engagiert sich der LSVD stark in der Bekämpfung und Prävention antischwuler Gewalt. Vielerorts haben wir eine tragfähige Zusammenarbeit mit der Polizei aufgebaut. Mit einer groß angelegten Öffentlichkeitskampagne werben zum Beispiel LSVD und Landeskriminalamt gemeinsam unter dem Motto “Liebe verdient Respekt” um Akzeptanz für schwule Lebensweisen.

Schwule Überfalltelefone gibt es derzeit in:

  • Aachen 0241 19228 Sprechzeit: Dienstags 19.00 - 21.00 Uhr

  • Berlin 030 2163336 Sprechzeit: täglich 17.00 - 19.00 Uhr

  • Bielefeld 0521 19228 auch für Lesben, Sprechzeit: Donnerstags 19.00 - 21.00 Uhr

  • Bonn 0228 19228 Sprechzeit: Montags 19.00 - 21.00 Uhr

  • Dortmund 0231 19228 Sprechzeit: Mittwochs 20.00 - 22.00 Uhr

  • Düsseldorf 0211 19228 Sprechzeit: Montags 20.00 - 22.00 Uhr

  • Frankfurt a.M. 069 283535 Sprechzeit: täglich außer Montags von 19.00 - 22.00 Uhr

  • Hamburg 040 31793057

  • Köln 0221 19228 Sprechzeit: Montags und Freitags 19.00 - 21.00 Uhr www.koeln19228.lsvd.de

  • Leipzig 0341 19228 Sprechzeit: Dienstags 19.00 Uhr bis 22.00 Uhr, Freitags 16.00 - 20.00 Uhr

  • Magdeburg 0391 19228 Sprechzeit: Dienstags 20.00 - 22.00 Uhr

  • München 089 26025070 Sprechzeit: Montags bis Freitags 10.00 - 19.00 Uhr
    www.subonline.de/agp/index.htm

  • Münster 0251 19228 Sprechzeit: Dienstags 19.00 - 21.00 Uhr

  • Saarbrücken 0681 19228 Sprechzeit: Montags-Donnerstags 10.00 - 12.00 und 13.00 - 15.00 Uhr,
    Freitags 10.00 - 12.00 Uhr und 19.00 bis 21.00 Uhr

    Außerhalb der Beratungszeiten sind die Schwulen Überfalltelefone über Anrufbeantworter zu erreichen.
  • Die Mitarbeiter des Schwulen Überfalltelefons Magdeburg

  • beraten schwule Männer, die Opfer einer Straftat geworden sind - unabhängig von Delikt und Tatzeit - auf Wunsch anonym und auf jeden Fall kostenlos. Auch dann, wenn keine Anzeigenerstattung gewünscht wird.

  • bieten Entlastungagespräche, telefoniche und persönliche Beratung, Wochenendseminare für schwule Kriminalitätsopfer, Hilfe bei der Verarbeitung der Gewalterfahrung, der Wiederherstellung des Sicherheitsgefühls und der Organisation des Alltags.

  • informieren über schwule oder schwulenfreundliche Rechtsanwälte, Ärzte und Ansprechpartner bei der Polizei sowie über den Gang des Strafverfahrens, den Täter-Opfer-Ausgleich, das Opferentschädigungsgesetz u.v.m.

  • begleiten zur Polizei, Statsanwaltschaft, zu Gerichten und Behörden, zu Krankenkasse und Schiedsmann etc.

  • vermitteln auf Wunsch zwischen Schwulen und der Polizei

  • dokumentieren das Ausmaß der Gewalt gegen Schwule

  • klären auf durch Veranstaltungen, durch Presseinformationen in den Schwulen- und Hetero- Medien

  • engagieren sich für die Belange von Kriminalitätsopfern in der Bundesrepublik Deutschland

  • suchen neue Mitarbeiter, die Interesse haben, in diesem Arbeitsbereich tauml;tig zu werden. Die Grundqualifizierung, Weiterbildung, Anleitung und Supervision etc. werden von uns angeboten.

  • sind erreichbar telefonisch unter 0391 / 19228
    oder auf dem Postweg an
    Schwules Überfalltelefon Magdeburg,
    c/o LSVD Sachsen-Anhalt, Postfach 1906, 39009 Magdeburg
    oder persönlich in der Geschäftsstelle
    Walter-Rathenau-Str. 31, 39106 Magdeburg
    (Eingang vom Hof aus, 1. Etage rechts)
    Die telefonische oder persönliche Beratung ist Dienstag von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr in der Geschäftsstelle möglich.


  • Beleidigt, geschlagen und getreten?
    Erste Zahlen einer großen deutschsprachigen Studie veröffentlicht
    Monatsmagazin „Du und Ich“ sucht Opfer von antischwuler Gewalt für Interviews


    Berlin/Magdeburg. MANEO, das Schwule Überfalltelefon Berlin hat Anfang 2007 eine Studie zum Ausmaß antischwuler Gewalt mit 24.000 Teilnehmern durchgeführt. Das ist die bislang größte Studie im deutschsprachigen Raum.

    Mehr als jeder Dritte wurde im letzten Jahr Opfer.
    Im Mai wurden auf einer zweitätigen Werkstatt in Berlin Ergebnisse veröffentlicht. Martin Pfarr, Projektleiter des Schwulen Überfalltelefons Magdeburg, hat daran teilgenommen und erste Zahlen und Fakten mitgebracht. Danach gab mehr als jeder dritte (35 Prozent) an, in den letzten zwölf Monaten Gewalterfahrungen gemacht zu haben. Noch erschreckender sind die Zahlen bei den jungen Schwulen und bisexuellen Männern unter 18 Jahren: Hier gaben 63 Prozent an, innerhalb des letzten Jahres Gewalt erfahren zu haben – fast zwei Drittel der Befragten! Bastian Finke, Projektleiter von MANEO, drückte es so aus: „Man kann als junger Schwuler in Deutschland nicht in Ruhe aufwachsen.“

    Und die Betroffenen bagatellisieren die Taten.
    Zum Beispiel wurde abgefragt, ob körperliche Gewalt im Spiel war, was 92% der Befragten verneinten. Von diesen erklärten aber immer wieder Betroffene: „Ich habe zwar ein blaues Auge bekommen, aber es war Gott sei Dank nicht so schlimm.“ Hinzu kommt als Problem, dass es selbst für Strafrechtsexperten nicht einfach ist, eine Gewalttat einer bestimmten juristisch relevanten Gewaltform zuzuordnen. Der juristische Unterschied beispielsweise zwischen einer Bedrohung, einer Belästigung oder Beleidigung ist erst recht für den Laien kaum noch nachvollziehbar.

    Die Täter
    Die Mehrzahl der Straftaten wurden übrigens von mehreren Tätern verübt. Um die Tätergruppen stärker abzugrenzen, wurden die Befragten gebeten, eine weitergehende Differenzierung vorzunehmen. Von den vorgegebenen Antworten kreuzten 49% an: „nicht weiter auffällig“. 7 Prozent der Betroffenen gaben „rechtsradikale Deutsche“ als Täter an. Zu 2 Prozent wurden „Fußballhooligans“ genannt. In einem offenen Feld haben 16 Prozent „nichtdeutsche Herkunft“ vermerkt. Wäre direkt danach gefragt worden, hätte diese Zahl mit Sicherheit höher gelegen...

    Das Dunkelfeld liegt bei 90 Prozent.
    Das heißt nur etwa 10% der Befragten gaben an, diese Straftat angezeigt zu haben. In Sachsen-Anhalt lag die Quote der Anzeigen geringfügig höher bei 13%. Soweit erste Zahlen. Weitere Auswertungen werden wir vornehmen, wenn alle Zahlen vorliegen.

    Gewalterfahrungen sind immer sehr konkret.
    Das heißt, dahinter stecken viele individuelle Schicksale und Strategien, mit der erfahrenen Gewalt und ihren Folgen umzugehen. Auch in Sachsen-Anhalt bietet seit nunmehr 10 Jahren das Schwule Überfalltelefon Magdeburg unter der Rufnummer 0391/ 19 228 Hilfe und Beratung sowie die Dokumentation von Straftaten an. Jeden Dienstag ab 20 Uhr ist ein Ansprechpartner am Telefon, um - bei Wunsch auch anonym – Betroffenen weiter zu helfen.

    „Du und Ich“ sucht Interviewpartner.
    Das schwule Monatsmagazin will nun konkrete Erfahrungen von Opfern speziell aus dem Osten Deutschlands aufzeichnen. Dazu sucht der freie Mitarbeiter Keven Nau aus Magdeburg schwule Männer insbesondere aus Sachsen-Anhalt, die bereit sind, ihre individuell erlebte Gewalterfahrung in einem auf Wunsch anonymisierten Interview zu Protokoll zu geben. Wer dafür zur Verfügung steht, kann sich – ebenfalls anonym – unter der Telefonnummer des Schwulen Überfalltelefons Magdeburg 0391/19 228 dienstags von 20 bis 22 Uhr oder mittwochs von 18 bis 22:30 Uhr melden oder seine Bereitschaft unter der E-Mail-Adresse des LSVD Sachsen-.Anhalt sachsen-anhalt@lsvd.de bekunden.
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